12. März 2016

SEO Campixx Recap 2016: Meine Learnings für Terrafinanz Wohnbau

von Arbresha Zymeri · zymeri@terrafinanz.de

Meine Erwartungen an die erste SEO-Campixx-Konferenz

Immobilien verkörpern das Analoge: Sie sind aus Stein, Holz und Beton oder anderen handfesten Materialien. Auch in den nächsten hundert Jahren wird es in der Branche stets darum gehen, für Menschen ein Dach über den Kopf zu bauen. So wie der Name „Immobilie“ es bereits verrät, etwas Standfestes und Unbewegliches. Doch im Zeitalter der Digitalisierung muss sie das Unmögliche schaffen: sich mit ihrem Bewohner verändern. Reale Welt trifft virtuelle – was kann diese traditionsreiche Branche von digitalen Marketing-Konzepten lernen? Und sind diese Themen überhaupt relevant für die klassische Immobilienbranche?

Terrafinanz Wohnbau ist ein mittelständischer Bauträger, der sich in München auf den Verkauf von Neubau-Eigentumswohnungen spezialisiert hat. Der Onlineauftritt wird durch die eigene Online-Marketing Abteilung im Unternehmen gesteuert.

Kurze Vorstellung: Arbresha Zymeri

Arbresha Zymeri

Ich bin Arbresha Zymeri und schreibe zurzeit meine Bachelorarbeit über Innovationen vor dem Hintergrund der digitalen Transformation in der Immobilienbranche. Tätig bin ich bei der Terrafinanz im Online-Marketing und betreue die Webseite, das E-Mail-Marketing, das Tracking und die Content-Erstellung. Zum ersten Mal durfte ich an der SEO Campixx in Berlin teilnehmen und freue mich, hier meine Erfahrungen zu teilen.

Was erwarte ich mir von der SEO Campixx?

Bis eine Immobilie fertiggestellt wird, werden komplexe Prozesse durchlaufen. Die Vermarktung allerdings beginnt bereits schon in einer frühen Phase, in der längst noch nicht alle relevanten Informationen vorhanden sind – geschweige denn ein fertiges Produkt vorliegt. Trotzdem gibt es aber bereits festgelegte Termine für den Vertriebsstart und es müssen Kampagnen mit Newsletter und Anzeigen rechtzeitig bespielt werden. Es gilt also den Spagat zwischen fixen Terminen und umfangreichen, flexiblen Inhalten zu meistern. Nicht nur in der Web-Entwicklung, sondern auch in allen Bereichen des Projektmanagements ist Agilität gefordert. Kurz gesagt: Wir arbeiten agil nach Scrum!

Ich erwarte mir daher von der SEO Campixx neue Impulse und Trends für die aufwendige Content-Erstellung für Webseite, Exposé und verschiedene Vertriebskanäle. Nach dem Motto „If you can’t measure it- you can’t manage it“ hoffe ich, neue Denkanstöße für Auswertungen in Analytics und anderen Reportings zu finden und mich mit anderen Branchen auszutauschen.

Das waren meine Erwartungen im Vorfeld und jetzt widme ich mich meinen Learnings und was ich vom neuen Wissen im Unternehmen umsetzen möchte.

Vortrag SEO Campixx 2016
Teilnehmer eines Vortrags auf der SEO-Campixx

SEO Campixx 2016: Tag 1 Samstag

Durch eine bunte Showeinlage von leuchtenden LED-Roboter wurde die achte SEO Campixx in Berlin eröffnet. Insgesamt 211 Vorträge über verschiedene Marketing Themen finden in der Konferenz mit zusätzlichem Barcamp-Style statt. Stirbt oder lebt SEO?
Momentan lässt sich der Trend erkennen, dass SEO auflebt und immer bedeutender wird für jegliche Branchen im Zeitalter der Digitalisierung. Im Fokus der Konferenz steht dabei der Austausch und die Vernetzung der Besucher verschiedenster Branchen und Online-Marketing-Disziplinen. Symbolisiert wurde dies bei der Eröffnung durch fliegende, neonfarbende Wollknäule im Raum, die die Besucher quer durch den Raum schmissen. Ein prägendes Bild – wie schnell sich etwas in der Tiefe vernetzen lässt.

Online-Marketing und agile Methoden

Jakob Holterhöfer und David Linden aus Köln berichteten über ihre Erfahrungen mit agilen Methoden und Scrum im Online-Marketing. Dabei zeigten sie wie die verschiedenen Rollen im Online-Marketing im Scrum zu besetzen sind, welche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Scrum notwendig sind und stellten ihre persönlichen Best Practices vor.
Agil ist ein Mindset, eine Art “Religion oder Philosophie”. Scrum hingegen ist ein Prozess zur iterativen Produktentwicklung. Die Herausforderung im Online-Markting nach Scrum zu arbeiten, besteht darin, dass Online-Marketing kein Produkt ist. Aus diesem Grund stellten sie vier Szenarien vor:

  1. Online-Marketing als Product Owner
    In dem Falle fungiert der Online-Marketer (bzw. die Online-Marketing Abteilung) als Product Owner im Scrum. Wichtig dabei ist, dass der Product Owner stets für das Scrum Team verfügbar ist.
  2. Online-Marketing als Stakeholder
    Der Online-Marketer fungiert als Stakeholder, legt die technischen Anforderungen in Form von Akzeptanzkriterien fest und verhandelt dabei mit dem Product Owner. Für Scrum ist es besonders wichtig, dass Stakeholder frühzeitig und stets miteinbezogen werden und sie Raum haben, ihre Interessen am Produkt zu vertreten.
  3. Online-Marketer als SME
    Unter dem Auftritt als Subject Matter Expert (SME) besitzt ein Online-Marketer ein sehr spezifisches Wissen wie beispielsweise ein Softwarearchitekt oder Business Analyst. Er sollte bei spezifischen Fragestellungen miteinbezogen werden und fungiert in der Instanz eines Stakeholders mit bestimmten tiefgründigen Interessen.
  4. Online-Marketer als Team Member
    Auch kann der Online-Marketer selbst ein Teil des Scrum Teams sein. Ein interdisziplinär zusammengestelltes Team und dadurch erzielte Nähe zum Prozess ist gut für den Prozess.

Für welche Projekte ist Scrum geeignet? Für komplexe Projekte, Systeme, Produkte bei denen noch nicht genau feststeht, was und wie entwickelt wird. Online-Marketing ist gekennzeichnet von Schnelligkeit und testgetriebenen Iterationen, daher eignet sich Scrum dort besonders. Dabei betonen die beiden Speaker aber, dass agil und Scrum sehr simpel klingt, aber dennoch nicht einfach umzusetzen ist. Sie stellen dabei nochmals die Kommunikation in den Vordergrund und betonen ihre Wichtigkeit. Ebenso wichtig ist auch der “Mut zur Ehrlichkeit”. Merkt man, das Scrum im Team nicht funktioniert- so lässt man es lieber sein!

SEO Projekte in der agilen Entwicklung nach Scrum

Das Hotel Müggelsee in Berlin
Der Veranstaltungsort der Campixx: das Hotel Müggelsee in Berlin.

Auch Bianca Zang aus München beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit dem gleichen Themengebiet. Die wachsende Bedeutung des Themas verdeutlicht sie mit einer Kennzahl: 2005 waren es noch 14% der Unternehmen, die agile Methoden im Unternehmen einsetzten. Heutzutage sind es rund 80%. Unter agil versteht sie, dass Anforderungen sich ändern und stetig mitwachsen. “Je mehr du planst, desto mehr erreichst du, dass was du planst, aber nicht das was du brauchst” unter diesem Leitsatz erklärt sie die Effizienz von Scrum Projekten im Gegensatz zu herkömmlichen Prozessen. Zudem steht in den agilen Ansätzen auch der Mensch deutlich im Fokus. Folgende vier agilen Werte lassen sich zusammenfassen:

  1. Menschen und Interaktionen stehen über Prozesse und Werkzeuge.
  2. Eine funktionierende Software steht über eine umfassende Dokumentation.
  3. Die Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung.
  4. Das Eingehen auf Veränderungen steht über das Befolgen des Planes.

Aus ihrer langjährigen Erfahrung mit Scrum und agilen Methoden können folgende Learnings herangezogen werden:

  • 3-9 Mitglieder sind empfehlenswert, mit ausreichend Disziplin können aber auch mehrere Mitglieder involviert werden
  • die Sprints werden durch das Team be- und abgestimmt
  • eine Retrospektive nach den Sprints ist unabdingbar und wichtig für den weiteren Erfolg im Projekt

Wichtig ist auch die Beachtung der Art und Weise wie die Anforderungen an das Entwickler Team weitergeleitet werden: In User Stories. Dabei ist das WAS entscheidend, das WIE obliegt ausschließlich dem Entwickler Team. Der Aufbau einer User Story sieht dabei wie folgt aus:
Als <Rolle> möchte ich <Ziel> um <Nutzen> zu erreichen.

Im Zusammenspiel von User Stories und Spezifikationen ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass alle Anforderungen nur in der Spezifikation ohne Redundanzen stehen. Ohne Spezifikation stehen selbstverständlich die Anforderungen in den User Stories.

Mein persönliches Fazit für die Immobilienbranche

Scrum und agile Methoden sind Branchen übergreifend einsetzbar und besonders wichtig im Zeitalter der Digitalisierung. Die rasche Entwicklung erlaubt es nicht mehr, lange Zeiträume für die Entwicklung von Produkten zu planen. Insbesondere für die Web-Entwicklung sollten lieber kleine Relaunches durchgeführt werden, um in kurzen Zyklen immer wieder neue Anforderungen umzusetzen. Der Erfolg von Scrum und agilen Methoden hängt sehr viel vom Menschen ab und daher sollten die einzelnen Rollen auch bedacht vergeben werden. Dabei liegt die Kunst darin, die planerischen Tätigkeiten der bisherigen Arbeitsweise umzustellen und das Tempo durch das Team bestimmen zu lassen.

SEO 2016

Stefan Fischerländer erklärte in seinem Vortrag, was er persönlich für die zukünftigen Trends hält. Seine erste Kernaussage war, dass der Einfluss von SEO auf Rankings die letzten Jahre deutlich abgenommen hat und mittlerweile die Webseite selbst 80% mit ihren Inhalten und ihrer Technik ausmacht. Man muss sich ehrlich die Frage stellen, ob seine Webseite auch die entsprechende Platzierung in Google verdient. Dass Mobile einen immer größeren Stellenwert einnimmt, dürfte 2016 ausreichend bekannt sein. Jedoch zeigt sich, dass sich mobile Besucher auf der Webseite anders verhalten und diese von ihnen anders genutzt.

Stefan hat am Beispiel einer eigenen Untersuchung von 10.000 Suchbegriffen die Unterschiede der Suchergebnisse in Google zwischen iPhone, Nexus (Android Smartphone), iPad und Desktop-PCs ausgewertet und die spannenden Ergebnisse präsentiert. Die größte Überraschung war, dass iPhone und Desktop zu 90% übereinstimmen, hier hätte ich mit einer geringeren Übereinstimmung gerechnet. Jedoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen iPhone & iPad sowie iPad & Desktop-PC. Das hat mich sehr überrascht und hatte ich nicht erwartet. Bei Android ist das Thema App-Indizierung bereits deutlich vorangeschritten und im Vergleich zum iPhone sind deutlich mehr App-Inhalte indiziert. Laut Google sollen bereits über 100 Milliarden App-Inhalte im Google-Index verfügbar sein. Spannend ist laut Stefan auch die Zukunft mit App-Streaming bei Android-Apps und die zunehmende Verbreitung von Sprachsuchen.
Abschließend für den ersten Tag lässt sich sagen, dass ich viele gute Denkanstöße gewonnen habe und auch hier in der Immobilienbranche zukünftig einen größeren Fokus auf Mobile-Inhalte legen möchte.

Abendprogramm

Zack Zillis auf der SEO Campixx 2016
Liveband Zack Zillis auf der SEO Campixx 2016

Der erste Tag war geschafft. Die fleißigen Speaker, konzentrierten Zuhörer und das Campixx Team hatten ein unterhaltsames Abendprogramm verdient: Von Bingo bis hin zur musikalischen Showeinlage der Band Zack Zillis oder einfaches Get-together-Netzwerken am Lagerfeuer oder in der Lounge. So hatte jeder die Möglichkeit den Abend nach seinen Vorlieben ausklingen zu lassen. Danke an dieser Stelle an Marco Janck und das gesamte Campixx Team!

SEO Campixx 2016: Tag 2 Sonntag

99 Tipps in 45 Minuten

Sonntags halb elf in Deutschland, Berlin- bereit für 99 Conversion Tipps in 45 Minuten. Vorab stelle ich mir die Frage, ob es wirklich möglich sei 99 wertvolle Tipps in so kurzer Zeit zu präsentieren? Nils Kattau überzeugte mich mit seinem Präsentationstil davon. Gut strukturiert, in klaren Worten ausgedrückt folgte im 25 Sekunden Takt ein wertvoller Tipp nach dem anderen. Dabei ging es sehr viel um die Einfachheit im Web: „Verkünstelt Euch nicht!“. Einfachheit siegt! Klare Ausdrücke, Headlines, Farben und Formen benutzen. Erklärungen helfen aufwendige Produkte und Schritte für jedermann zu verstehen. Statische Bilder funktionieren besser als beispielsweise Slideshows. Für mich persönlich, ein wertvoller Tipp, den wir bald auch auf unserer Webseite umsetzten werden. Die Hauptmessage am Ende der zahlreichen Tipps war jedoch: „Glaube mir kein Wort“. Um die eigene Webseite zu optimieren gilt ein Leitsatz: Testen! Testen! Testen! Je nach Zielgruppe, Produkte und Branchen funktioniert jede Webseite auf ihre eigene Art und Weise. Um die bestmöglichen Ergebnisse erzielen zu können, sollten diese einfach stetig ausprobiert werden.

Session-Wechsel auf der SEO-Campixx
Session-Wechsel auf der SEO-Campixx

Von der Graphentheorie zur internen Verlinkungsoptimierung

Sebastian Erlhofer stelle in einem Sonntagskurs die Nutzung der Graphentheorie für SEOs vor. Dabei geht es speziell um die interne Verlinkung auf einer Webseite, die mittels der Graphentheorie dargestellt und optimiert werden kann. Kurz und knapp wurden die theoretischen Grundkenntnisse der Graphentheorie erklärt. Es geht dabei um Netzwerke, Knoten und Kanten und wie die Netzwerktypologie berechnet werden kann. Mithilfe eines SEO Experiments, bei dem mit Schwellenkeywords eine künstliche Umgebung geschaffen wurde, wurde der konkrete Einsatz im Online Marketing erläutert. Hauptaussage dabei war, dass das gesamte Netzwerk betrachtet werden muss und mithilfe von Hubanalysen, lassen sich wichtige Abhängigkeiten erkennen. Für mich persönlich ein sehr wertvoller Denkanstoß, Theorien aus der Lehre in der Praxis zu integrieren und transformierend anzuwenden.

Fazit

Die SEO Campixx ist genau so wie sie beschrieben wird- eine einzigartige Konferenz! Ein Sprung hin zum umfassenden Lernen im Bereich des Onlinemarketings und angrenzenden Feldern des Offline-Marketings und für alle Branchen interessant. Wertvolle Denkanstöße und tiefe Insights, die an diesem Wochenende ausgetauscht werden konnten. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen die ich sammeln konnte und die Offenheit und hohe Austauschbereitschaft der Online-Marketer.

Freue mich gerne über Feedback und einen Austausch.
Eure Arbresha
zymeri@terrafinanz.de